Willkommen im Blog

Willkommen im Blog
Die BA-BI Schweinfurt ist der Zusammenschluß der seit 1972 bestehenden Bürgeraktion Umwelt- und Lebensschutz u. der - nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl - 1986 entstandenen Bürgerinitiative gegen Atomanlagen. Wir kämpfen für den sofortigen Ausstieg aus der Atomwirtschaft, jetzt nach der Abschaltung "unseres" im 5 km Radius zur Stadt Schweinfurt gelegenen AKW Grafenrheinfelds für einen gesicherten Rückbau und engagieren uns aktiv für die Energiewende.
----- KKG Stilllegung und Rückbau - Einwendungen möglich bis 27.7.2016- Stellungnahme zum Ergebnis der Entlagerkommission
http://schweinfurt-ba-bi.blogspot.de

Mittwoch, 18. Mai 2016

KKG Rückbau: Nichts ist BELLA mit dem BELLIS BEBL BEHA


Zusammengefasst: beim Rückbau werden die hochradioaktiven Abfälle – sowie Brennelemente in Castoren gepackt und lagern dann im Zwischen(End?)lager BELLA auf dem Gelände des Kernkraftwerkes Grafenrheinfelds. Da bis heute noch kein zentrales Endlager in Aussicht ist, werden die Behälter wie lange dort bleiben? Die bisherige Betriebsgenehmigung vom Brennelemente-Behälterlager BELLA sprich BEBL, gilt bis 2046.  E.on rechnet insgesamt mit kontaminierten 3500 Tonnen, die in 1,5 m hohen Behältern namens „Mosaik“ gepackt werden sollen, bis.... ja bis ...dann vielleicht irgendwann.... Gorleben

Was geschieht aber mit dem schwach- bis mittelstark strahlenden Atommüll, ca. 10 % des Gesamtabfalls beim KKG Rückbau?

Der Betriebsleiter des AKW Grafenrheinfeld Herr Scheuring stellte in der Stadtratssitzung am 12. Mai 2016  den zeitlichen Ablauf, die Fakten und die Begründung für den von E.ON favorisierten Rückbau im Gegensatz zur Alternative "Sicherer Einschluß" vor, sowie den geplanten Neubau des "BeHa".

Vorgesehen ist beim Rückbau des KKG die Mosaik-Behälter in Grafenrheinfeld zu lagern, weil sie frühestens 2022 in Schacht Konrad eingelagert werden können. Ob das allerdings  zu diesem Zeitpunkt geschehen kann und wird, bleibt fraglich, und wird von Dr. Herbert Barthel vom  BUND in der Expertenrunde  stark bezweifelt, wie auch den Weg des Rückbau, seiner Meinung nach von E.ON hauptsächlich unternehmerisch begründet ist, ohne die Gemeinden und Verbände in einer öffentlichen generellen Diskussion  einzubeziehen.

Für den beim Abriss entstehenden heimatlosen schwachstrahlenden "Atommüll in Mosaik", wäre bis zum Zeitpunkt X, eine neu erbaute "provisorische Garage" neben dem BELLA nötig.
Diese sogenannte Bereitstellungshalle wäre  101,02 m lang x 28,10 m breit x 16,81 m hoch, und dient zur Lagerung von radioaktiven Abfällen und Reststoffen aus dem Betrieb u. Rückbau des KKG  des "BeHa" und des KKG-BELLA und "optional für Abfälle aus anderen EKK-Anlagen (max. 20% des Einlagervolumens) für max. 10 Jahre. Die Größe der BeHa ergibt sich aus dem Bedarf des KKG.Temporär ist die Bereitstellung der Reststoffe aus anderen EKK-Anlagen möglich."

20% des Volumens, auch für EKK (E.ON Kernkraft GmbH) also womöglich"hierher kutschierte Atommüll" -Castoren? von anderen AKWs? Da bleiben viele Fragen, nicht nur bezüglich der offerierten Dauer, offen.

Herr Scheuring bemerkte dazu in der Sitzung, dass er bis zum Jahr 2046 nicht an eine mögliche Endlagerung glaube.

Stadträtin Dr. Ulrike Schneider bemängelte explizit den Euphemismus BELLA wie nun auch BeHa und kritisierte die Verantwortungsverschiebung   bezüglich des Zwischenlager BELLA zur Bundesregierung.

Bringt einen zu der Frage, warum wird eigentlich diese geplante" Bereitstellungshalle in situ", analog zum schönen BELLA, nicht BELLIS genannt?
Harmlos wächst und gedeiht es nach dem Willen der Betreiber auf der grünen Wiese vor dem AKW Grafenrheinfeld, direkt neben dem BELLA für, nun ja, mindestens für die nächsten 10 Jahre. Oder 20 oder 30, oder für immer?

Bellis Tausendschön Maßliebchen Friedrich Rückert Kindertodtenlieder Atommüll
O Tausendschönchen! Friedrich Rückert, Kindertodtenlieder

So ein Bellis ist ja , wie der bot. Name Bellis perennis zeigt, ein recht "ausdauerndes" Pflänzchen. Unschuldig weiß aber hartnäckig, vermehrungsfreudig und schwer wieder los zu werden. Wo ein Maßliebchen wächst, blüht einem was. Für Naturfreunde sind die  weiß strahlenden gesunden Gänseblümchen im Rasen oder auf der Wiese kein Problem. Die Blüten  werden über Salat gestreut, zu Kapern verarbeitet oder in der Hausapotheke verwendet. Generationen von  Kinderherzen schmückten die Tausendschönchen als Kette oder Kränzchen.

Ganz im Gegensatz dazu stünde wohl ein EKK-überdüngtes, schwach strahlendes aber  perennierendes "BELLIS" in Grafenrheinfeld,  neben - womöglich ebenfalls nicht los zu werdenden - giftgelb vor sich hin strahlenden, wuchernden  BELLA Castoren.
Die beiden beseitigt weder das umstrittene Round up noch die Zeit. 

Kein Wunder, dass sich  der Gemeinderat Sennfelds in einer Sitzung gegen ein weiteres Atommülllager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, also gegen ein "BELLIS" neben dem BELLA ausgesprochen hat, und in einer Resulution fordert, dass die Sicherheit des bereits vorhandenen Brennelementlagers bezüglich Sabotage, Terroranschlägen und Flugzeugabstürzen "kontinuierlich und umfassend" überprüft und die Reparatur defekter Castorbehälter vor Ort ohne Auswirkung auf die Umgebung sichergestellt werden muss. Gestern haben sich die Mainbogengemeinden Gochsheim, Grettstadt, Röthlein, Schwebheim und Sennfeld in zu einer fachlich gestützten Interessengemeinschaft zum KKG-Rückbau zusammengeschlossen.

Wie der BR berichtete, ist die Lagerung des Atommülls am Standort Grafenrheinfeld nicht sicher: "Der Physiker Dr. Wilfried Attenberger hat die Sicherheitssysteme am stillgelegten AKW Grafenrheinfeld kritisiert. Unter anderem bemängelt er die Dichtungen der Castoren. Seiner Meinung nach könnten die Deckel der Castoren undicht werden, wenn sie rosten. Zudem denkt der Wissenschaftler, dass die Castorbehälter beim Absturz eines großen Verkehrsflugzeug mit anschließendem Treibstoffbrand undicht werden würden. Attenberger kritisiert auch die Halle, in der die Castoren gelagert werden, das Brennelementbehälterlager – kurz: "Bella". "Wir brauchen zwei voneinander unabhängige Sicherheitssysteme. Es müsste zumindest eine Halle vorhanden sein, die als Sicherheitssystem gilt. Das gilt nicht für die Lagerhalle Bella."  siehe auch das Interview: KKW Grafenrheinfeld: Sorgen wegen des Brennelemente-Lagers https://t.co/erNFJkVwnE BA-BI Schweinfurt (@babigabysw) 11. Mai 2016 

Auch in der Stadtratsitzung wurde den Anwesenden vermittelt:  Alle Sicherheit hängt letztendlich am Castorbehälter
Zur Zeit sind lt. Dr. Tobias Kloubert vom Landesamt für Umweltschutz, 21 Castoren im BELLA,  die Anzahl der genehmigten 88 Castoren werde nicht überschritten, etwa 53 -54 werden nach Abschluß des Rückbaus belegt sein. ERINNERUNG: Jeder einzelne Castor enthält soviel radioaktives Material wie durch Tschernobyl freigesetzt worden ist!!

 Stadtrat Prof. Dr. Wiener, als Lehrbeauftragter an der FH W-S Fak. Maschinenbau in der Thematik bewandert, begrüßte die Informationen von Herrn Scheuring und den Spezialisten, gab aber u.a. zu Bedenken, dass die Statistik zeigt, dass selbst kleinste Risiken zu hohen Sicherheitslücken führen können und fragte an, ob intern eine intensive Auseinandersetzung mit neuen Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit stattfinden würde. So könnte  eine Explosion der Gefährung durch geänderte Bedingungen, z.B. Terroranschläge, die Sicherheit der  Region  beinträchtigen. 40 cm Beton hielten einer modernen Waffe nicht stand.  Auch den mehrfach als Sicherheitmerkmal angeführten 2. Deckel gäbe es bisher nur in einem Exemplar und ist ein neues Verfahren bei den Castoren. Sorge bereite ihm auch die Aussage von Herrn Scheuring : "Leider sind wir am Ende der Nutzung der Kernkraft" denn "leider sind wir nicht am Ende der Gefährung durch Kernkraft."
 
Bellis perennis, Blüten im Rasen, Friedrich Rückert Atomkraft Atommüll AKW Kindertodtenlieder
Blüten vom Rasen! Friedrich Rückert, Kindertodtenlieder
Großen Dank gebührt  Dr. Barthel vom BUND Naturschutz in Bayern, der die gesamte  Problematik des Rückbaus, u.a. :
  • der fehlenden Beteiligung der Öffentlichkeit in der 1. Phase, der ungenügenden  Sicherheit des Zwischenlagers BELLA, der inhaltliche Zusammenhang zwischen Abriß und BELLA, der garant.Lebensdauer der Castoren  mit hochradioaktivem Material von nur 40 Jahren, der beim Abriß fehlenden Reparaturmöglichkeit, dem Transport undichter Castoren, der Missachtung der in der Industrie bereits üblichen Rückführ/ Stoffstromkontrolle, der Millionen Jahre dauernden Radioaktivität,  der in der Kritik stehenden überholten Bewertung der Freimessung, der Übergabe des Atommülls an die Verantwortung des Staates,  der neuen Gefahren durch Terror und einem  prognostizierten Endlager möglicherweise  erst bis zum Jahr 2080, sowie einer jederzeit eintretenden möglichen Veränderung der politischen Lage...
allen Anwesenden verständlich erläuterte und die Positionen und Forderungen des BUND Naturschutzes zum Rückbau des KKG  vorstellte.

Denn hier in Schweinfurt können wir noch im Gegensatz zu Isar I, auf den 
27. Mai 2016 hoffen .
Es ist eine Anfrage an die Demokratie,  bis jetzt dürfen wir nur zuhören, aber es geht darum, wie gestalten wir die Partizipation und Demokratie, so lauteten seine Abschlußworte.

Ab 27. Mai 2016 werden die Unterlagen zum Rückbau öffentlich einsehbar sein und eine zweimonatige Einspruchsfrist  beginnt.
In einer der nächsten Sitzungen des Schweinfurter Stadtrates werden Einwände gesichtet, durch die Verwaltung bewertet und dann Stellung genommen.