Willkommen im Blog

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Die BA-BI Schweinfurt ist der Zusammenschluß der seit 1972 bestehenden Bürgeraktion Umwelt- und Lebensschutz u. der - nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl - 1986 entstandenen Bürgerinitiative gegen Atomanlagen. Wir kämpfen für den sofortigen Ausstieg aus der Atomwirtschaft, jetzt nach der Abschaltung "unseres" im 5 km Radius zur Stadt Schweinfurt gelegenen AKW Grafenrheinfelds für einen gesicherten Rückbau und engagieren uns aktiv für die Energiewende.
----- KKG Stilllegung und Rückbau - Einwendungen möglich bis 27.7.2016- Stellungnahme zum Ergebnis der Entlagerkommission
http://schweinfurt-ba-bi.blogspot.de

Freitag, 3. April 2015

Ei der GAUs! – NaturFreunde und der Jahrhundert-Irrtum Atomkraft


Ei der Gaus.................Karfreitag. An diesem Tag werden traditionell von der Schwebheimer NF Gruppe selbstgebastelte Osternester versteckt und mit den Kindern auf einem langen Spaziergang durch Feld und Wald, gefunden.
Ob Naturschutz, Waldreinigung, Ökotourismus oder Atomkraft,  bis heute bin ich beeindruckt vom tief verwurzelten Umweltbewusstsein “meiner” Naturfreundegruppe. Dankbar erinnert sich unsere Familiengruppe an Wurmkisten und Nistkästen, Eidechsenhaufen, Streuobstwiesenpflanzungen, Bioapfelsaftpressen und Biokartoffelkäfersammeln, Saprobien-Zählung, Herbarien, Osterfeuer, naturnahe Urlaube und so vieles mehr.

Fritz Rossteuscher am Unkenbach in Schwebheim
Herausgreifen möchte ich den Schwebheimer  Alt-Alt-Bürgermeister und BA-BI-Veteran der ersten Stunde - Umweltkämpfer und Naturfreund im wahrsten Sinne - Fritz Roßteuscher. Alle “jüngeren” Urgesteine der Familien Träber, Graf, Denzer, Winkler bis zu Jakob  mögen mir verzeihen.

Nicht nur in seiner amtlichen Funktion als Bürgermeister oder als aktives BA-BI Mitglied, ist Fritz Rossteuscher ein beispielhafter Umweltschützer, auch seine Freizeit widmet er der heimischen Flur. Viele Generationen führte er durch die Naturschutzgebiete Grettstädter Wiesen und  das Riedholz. “Seinem Riedholz”, dem ersten kommunalen Naturwaldreservat.  Vor  10 Jahren wurde Schwebheim dafür mit dem Bayrischen Staatspreis geehrt.

Leucojum vernum im Riedholz SchwebheimMärzenbecher, auch Frühlings-Knotenblumen, bot.  Leucojum vernum,(weiß/Veilchenduft/Frühling) sind als Zierpflanze bereits um 1410 im  Paradiesgärtlein und Maria in den Erdbeeren abgebildet. Leonhard Fuchs beschreibt die Zwibelwurtzel 1543 im  New Kreüterbuch  als weiß Hornungßblum,  mit  krafft und würckung zur heylung der allten schäden. Hornung, ist ein alter Name für Februar. Vorsicht. Aufgrund der giftigen Glykoside aber keinesfalls zur Selbstmedikamentation geeignet. Ab 1561 wird der Frühlingsgeophyt als Leucojum bulbosum theophrasti, 1588 als Leucoium B. hex., 1594 als Narcissus VII, Matthioli albo flore apiciis luteis, als   L. bulb. vulgare ab 1607 aber auch als Leucojum bulbosum hexaphyllon cum unico flore, rarius bino verzeichnet. 
Weitere Trivialbezeichnungen, nicht immer bot. korrekt zugeordnet, sind Josefs-Glocherl, Osterglocke, Osterbecherchen, Weißveilchen, Schneeveilchen, Mostveilchen, Schneegallen, Sommerthierchen, Tolscheblümli, Stammnägeli und etliche mehr.
Als giftige Pflanze taucht das sog. große Schneeglöckchen eng. Spring Snow Flake  zwar in fast allen Kräuterbüchern auf, aber die Verbreitung ist aufgrund der speziellen Standortbedingungen eher selten und meist auf Botanische, Adels- und Liebhabergärten beschränkt. Bei der höheren, mehrblütigen Sommer-Knotenblume Leucojum aestivum ist es ähnlich, dauerhaft bleiben sie selten im Garten.


Märzen Bier Becher Ried SchwebheimDie Märzenbecherblüte im Schwebheimer Erlenbruchwald Riedholz ist hier in unserer Fränkischen Trockenplatte eine ganz besondere Rarität. Dank dem renaturierten, mit sehr viel Umsicht und etwas weniger auf Vorschriften achtenden Anstauen des Unkenbaches, entstand durch wenige übriggebliebene Zwiebeln der Märzglöckchen über die Jahrzehnte ein zauberhafter  schneeweiß verschneiter Märzchenwald.

Leucojum vernalis Frühlingsknotenblumeleucoion Knotenblumen Riedholz Schwebheimzauberhaft Märchenwald, Märzenbecherwald
Selbst im hohen Alter erklärt Fritz unermüdlich ökologische Zusammenhänge, so auch heute im Schwebheimer Naturfreundehaus. Er erzählt von mehrfach versunkenen Bulldogs in mit Armleuchteralgen, bzw. mit  "Seekreide", bewachsenen Feldern, der geschützten Streu- bzw Pfeifengraswiese und wie die Kriegerwitwen früher körbeweise Blumen, Zwiebeln und Kräuter aus den Feldern und Wäldern holten um sie auf dem Markt in Schweinfurt und den Dörfern zu verkaufen. Inzwischen sind jedoch dank seiner unermüdlichen Arbeit und Pflege richtige Winterlingsfelder und Frauenschuhgeheimschränke entstanden.  KeinWunder also dass ihm der Ehrentitel “Pflanzmeister” von Hans Fischer, seinem Nachfolger im Bürgermeisteramt,  verliehen wurde.
Atomwaffenfreie Zone im Naturfreundehaus Schwebheim
Besonders hervorzuheben ist aber auch die jahrzehntelange klare Haltung der NF gegen Atomkraft, die sich bis in den höchsten  Ebenen der internationalen Touristenorganisation Naturfreunde NFI wiederfindet:

Atomkraft der Jahrhundertirrtum

Michael Müller, Co-Vorsitzender der Endlagersuchkommission und Bundesvorsitzender der Naturfreunde Deutschland antwortet im Interview mit der Zeitschrift Naturfreundin zum gegenwärtigen Stand der Endlagersuche und ob Gorleben noch im Rennen ist, weil dort bereits 1,5 Milliarden Euro investiert wurden:
 “Ich will es so formulieren: Bei der jahrzehntealten Protestgeschichte kann ich mir das nicht vorstellen. Wir müssen uns in der Kommission ja auch mit der Frage befassen: Wie konnte es überhaupt zu dem Jahrhundertirrtum “Atomkraft” kommen? Und natürlich folgt daraus zwangsläufig eine öffentliche Entschuldigung derer, die für das Festhalten an diesem Irrtum verantwortlich waren.”


Die 33 Mitglieder zählende “Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe gemäß § 3 Standortauswahlgesetz” kurz Endlagerkommission oder auch Atommüllkommission genannt, ist eine deutsche Bund-Länder-Enquete-Kommission, die Empfehlungen zur Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe erarbeiten soll.
Sie besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaft und gesellschaftlicher Gruppen sowie Mitgliedern von Landesregierungen und des Deutschen Bundestages; den Vorsitz der 33 Mitglieder teilen sich Ursula Heinen-Esser und Michael Müller. Die Aufgabe ist insbesondere, Vorschläge für die Entscheidungsgrundlagen (Sicherheitsanforderungen, Kriterien) im späteren Standortauswahlverfahren zu erarbeiten und das Gesetz zu überprüfen. Daneben befasst sich die Kommission auch mit den Anforderungen an das Verfahren des Auswahlprozesses und an die Beteiligung der Öffentlichkeit. Die Ergebnisse fließen in einen Bericht an Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung ein.

Im Interview spricht Michael Müller auch die langfristige Verantwortung an.
Denn seine Kommission muss klären, welche institutionellen, rechtlichen und kulturellen Voraussetzungen notwendig sind. “Schließlich reicht das Problem wegen seiner Strahlungsphysik mindestens bis zum Jahr Einemillionzweitausendzweiundzwanzig. Es muss also um mehr als nur eine Lösung für übermorgen nachgedacht werden.” 

Das Interview und der Artikel “Das Ende des AKW Grafenrheinfeld ist in der Mitgliedszeitschrift 1-2015 auf Seite 13 nachzulesen.
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