Willkommen im Blog

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Die BA-BI Schweinfurt ist der Zusammenschluß der seit 1972 bestehenden Bürgeraktion Umwelt- und Lebensschutz u. der - nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl - 1986 entstandenen Bürgerinitiative gegen Atomanlagen. Wir kämpfen für den sofortigen Ausstieg aus der Atomwirtschaft, jetzt nach der Abschaltung "unseres" im 5 km Radius zur Stadt Schweinfurt gelegenen AKW Grafenrheinfelds für einen gesicherten Rückbau und engagieren uns aktiv für die Energiewende.
----- KKG Stilllegung und Rückbau - Einwendungen möglich bis 27.7.2016- Stellungnahme zum Ergebnis der Entlagerkommission
http://schweinfurt-ba-bi.blogspot.de

Mittwoch, 28. März 2012

Energiewende und Ausstieg - Zwei im Zweifel

Letzte Woche meldete der leitende Professor am Stuttgarter Universitätsinstitut für Energiewirtschaft und rationelle Energieanwendung vor 135 geladenen Gästen aus der lokalen Politik, örtlicher Wirtschaft und dem Rettungswesen in einem Vortrag im Kernkraftwerk Grafenrheinfeld, Zweifel an der Nachhaltigkeit der für Deutschland verkündeten Energiewende an... siehe Artikel in der Mainpost: Minister-widerspricht-KKG-Chef-Betriebsende-2015-nicht-verhandelbar 


Das Schweinfurter Aktionsbündnis kritisierte, kommentierte und widerlegte den Kernkraft-Vortrag von Prof. Voss und die Aussagen des Werksleiters Reinhold Scheuring siehe auch Folge-Artikel Mainpost: Voss-Argumente-widerlegt

Unter der Prämisse des postulierten Infragestellens der Betriebsdauer des KKG´s ,
- die BA-BI und das Schweinfurter Aktionsbündnis kämpfen und fordern - ganz zweifelsfrei - den SOFORTIGEN Atomausstieg - ist die Aussage von Bayerns Forschungsminister Wolfgang Heubisch, dass das Laufzeitende 2015 "politisch nicht verhandelbar" sei, zumindest richtungsweisend und positiv zu werten.

Der "günstige" Atomstrom ist eine billige Milchmädchenrechnungen. Unbezahlbar, würden die immensen, unkalkulierbaren Kosten für die noch ungeklärte, Millionen Jahre strahlende, Lagerung des Atommülls, die aufwändige Überwachung der Atomanlagen und Lagerstätten, die Umweltschäden durch verklapptem radioaktiven Müll, die Gesundheitsschäden durch Niedrigstrahlung im laufenden Betrieb, geschweige denn die Kosten einer von Experten durchaus vorstellbaren Katastrophe wie in Tschernobyl oder Fukushima, in den Strompreis miteingerechnet!

Sorry!
Die Nachhaltigkeit der Erneuerbaren Energien in Frage stellen?
Das Betriebsende des KKG`s in Frage stellen?
Der Ausstieg - nach Tschernobyl, Fukushima und anderen Unfällen in Kerntechnischen Anlagen, ist übereilt?


Da schießt einem doch glatt ein verzweifeltes mundartliches leises "des is do vosst bescheuert" in den Kopf. Leider zweifelsfrei, dafür aber "mundartiger", sind folgende Infos:
Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen ab INES 4!!
Liste von Störfällen in europäischen kerntechnischen Anlagen

Für den vollen Durchblick in Sachen Erneuerbare Energien, hier eine Empfehlung für die inhaltlich, haptisch und optisch aufwändig gestaltete Schriftenreihe der bundesweiten Informationskampagne "Deutschland hat unendlich viel Energie".
Herausgeber ist die Agentur für Erneuerbare Energien. Die Schirmherrschaft dieser aktuellen Info-Kampagne hat Prof. Klaus Töpfer übernommen und sie wird u.a. vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit unterstützt.

In der Broschüre sind Informationen zu den wichtigsten Energiequellen der Zukunft und Fragen wie: Erneuerbare Energien fressen mehr Energie als sie bringen, Wind und Sonne gibt es nicht immer, Solarenergie lohnt nur in Afrika , Verschandelung durch Windräder, genug Wind gibts nur an der Küste, Hunger in Entwicklungsländern für die Bioenergie sowie Mythen zum Biodiesel, werden ausführlich erörtert und durch harte Fakten und Zahlen aus den Jahren 2010 und 2011abgerundet.

Einen "fast" vollen Durchblick zu den grünen Energiequellen, gibt die Publikation in Sachen Energiepflanzen, mit einer Stellungsnahme zu u.a. folgenden Inhalten:
Energiepflanzen schaffen Agrarwüsten und zerstören die Äcker, Weiden, die Artenvielfalt. Verursachen weltweite Preisexplosionen und Hunger, sind nicht tragbar durch hohen Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmittel und werden die Türöffner für die Gentechnik.

Beim Überblick über die verschiedenen pflanzlichen Energielieferanten vermisse ich in der Broschüre (als auch auf der Webseite) Informationen zum  Riesenknöterich, einem sehr aggressiven Neophyten. Fallopia resp. Reynoutria, in den Arten sachalinensis, japonica und der Hybride bohemica bekommen  Konkurrenz durch eine Spontanmutation, die züchterisch weiterbearbeitet als ökologisch verträgliche Biomassewunderpflanze unter dem Namen Igniscum zu neuen Ehren kommt. Das Patent für Igniscum liegt - irgendwie schon ganz nett - bei einem "schnellen"  Breeder in Kalkar

Riesenknöterich Reynoutria resp. Fallopia
Bilder des ausläuferaustreibenden Neophyten in Schweinfurt direkt am Main,  Vor ca. 15 Jahren wurden an dieser Stelle erfolglose Bekämpfungsaktionen durch die Stadt unternommen. Die Wuchskraft von Fallopia ist enorm, die Rhizome wurzeln bis 2 m tief, bis 20 m weit, bereits 1,5 cm davon sind reproduktionsfähig und erreichen eine Lebensdauer von Jahrzehnten,  Kürzlich sah ich in der Nähe von Breslau Wälder, die von diesen gebietsfremden Knötericharten fast flächendeckend annektiert waren.
Kreuzungen, Rückkreuzungen sowie Spontanmutationen sind bei Pflanzen nicht selten. Was wäre,  wenn sich die  "gezähmten"  Knöterichpopulationen bei industrialisiertem  großflächigem Anbau durch  Hybridisierung, Regression oder Mutation verändern und neue agressive invasive Varianten entstehen? Riesenknöteriche sind sehr resistent gegen Herbizide und haben kaum einheimische Frassfeinde. Viele Studien dazu laufen, z.b.  Dissertation über die Hybridisierung des invasiven Fallopia-Komplexes.

Sicher, es gibt sowohl bei Fallopia als auch  anderen Energiepflanzen  offene Fragen, inbs. auch zu den langfristigen ökologischen  Auswirkungen. Aber letztendlich im Gegensatz zu einem GAU oder einer atomaren Verseuchung,  -  in Grafenrheinfeld oder anderswo - , ist das Gefahrenpotential nicht vergleichbar, in einem händelbaren Rahmen. Die Gefährdung einer gesamten Bevölkerung in kürzester Zeit ist ausgeschlossen. 


In einem weiteren Heft in Sachen Bioenergie werden u.a. Inhalte wie der Brotpreis durch Bioenergie, die Flächennutzung durch Energiepflanzen, Holzheizungen und Feinstaubschleudern, Zerstörung des Regenwaldes durch Biodiesel, Bioenergiemonokulturen und stinkendes Biogas thematisiert, die Vorteile statt der Vorurteile aufgeführt.
Hier kann der volle Durchblick zu Erneuerbare Energien - Kosten und Nutzen
gelesen oder kostenfrei bestellt werde, weitere Themen sind vorhanden.

Noch Zweifel?

Hier die vollständige Presseerklärung des Schweinfurter Atombündnisses:

"Alfred Voß ist unverkennbar ein Atomprotagonist, der seit vielen Jahren nicht einmal mehr von der bayerischen Staatsregierung als Gutachter beauftragt wird. Denn er hat seinem Atomfuror zu viele wissenschaftliche Ansprüche geopfert.
Eigentlich muß man nicht auf alles reagieren , was einem so begegnet, da aber die Darstellung seiner Meinung so umfassend war, ist eine Reaktion und Klarstellung wichtig.
Viele seiner Argumente sind längst widerlegt. Durch Rosinen- Pickerei, Verknüpfungen sowie das Weg lassen von nicht „passenden“ Studien und Zitaten entsteht der Eindruck einer seriösen wissenschaftlichen Basis.
Voß unterschlägt bei seinen Schluss- Folgerungen, dass
-deutsche Atomkraftwerke keine risikogerechte Haftpflichtversicherung haben, da wegen des hohen Risikos die Prämie unbezahlbar ist
-dass Unfallversicherungen und immer mehr Hausrat- und KFZ Versicherungen Schäden durch Atomkraft ausschließen.
-das AKW Grafenrheinfeld heute so nicht mehr genehmigt würde, da es dem heutigen Stand der Sicherheitstechnik nicht entspricht.
-es kein sicheres Endlager für Atommüll gibt.
Die Aussagen von Voß zur Lebenszyklus-Analyse stimmen so nicht! Die Lebenszyklus-Analyse für Stromerzeugung des Öko-Instituts zeigt, dass Windkraft geringere Kosten und CO 2-Emissionen als Atomkraft verursacht. Wasserkraft ist fast gleich und Photovoltaik etwas höher- beides aber ohne Atommüllerzeugung und Supergau-Risiko. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die Studie „External Costs“ der Europäischen Kommission aus dem Jahre 2003.
Auch die von Reinhold Scheuring angeführten Argumente sind nichts Neues und werden auch durch ständige Wiederholungen nicht glaubhafter. Eines war jedoch neu, aber für Menschen, die sich ständig mit den Themen Atomkraft und Energiewende auseinander setzen, nicht verwunderlich: Scheuring setzte, sich der Öffentlichkeit bewusst, ein Fragezeichen hinter das Abschaltdatum 31.12.2015. Wenn der AKW-Leiter durch diese Äußerungen geradezu dazu ermutigt, das Abschaltdatum in Frage zu stellen, wird deutlich, dass die Atomwirtschaft immer noch nichts begriffen hat. Die Mehrheit der Bevölkerung will den Ausstieg aus der Atomkraft, ein Großteil sogar schneller als derzeit fest gelegt. Es gilt also nach wie vor, akribisch darauf zu achten, was im politischen Umfeld passiert.
Das Voß und Scheuring die Atomenergie als nachhaltigste Energieproduktionsart definieren ist Menschen verachtend. Gibt es eine schlimmere Belastung künftiger Generationen als die Jahrmillionen währende Belastung mit strahlendem Atommüll, nicht zu vergessen die Belastung und Beeinträchtigung der Menschen und der Umwelt bei der Uran Gewinnung und der Belastungen durch den AKW-Betrieb. Unter diesem Aspekt ist die 300 Milliardenste Kilowattstunde im AKW auch kein Grund zum feiern.
Zum ThemaSicherheit, Risiko und Vertrauen:
-angeblich sind die atomaren Anlagen in Deutschland sicher (laut den Betreibern und sogenannter „Experten“ wie Voß). Dennoch soll in Punkto Sicherheit bei den Atommülllagern nachgerüstet werden (auch beim AKW Grafenrheinfeld) durch die Errichtung von zusätzlichen Mauern. Hierbei kann es sich doch nur um ein Feigenblatt für größere Sicherheit handeln
-welche Folgerungen zieht man aus den neuesten Erkenntnissen zum nicht vorhandenen Katastrophenschutz (siehe ZDF Film „Störfall Deutschland“ oder Spiegel Artikel „Die verdrängte Gefahr“)?
-aktuelle Untersuchungen sowie Vorgänge rund um das AKW Philippsburg machen deutlich, dass AKWs in Deutschland mit gefährlichen Sicherheitslücken betrieben werden, selbst wenn sie Betreibern, Gutachtern und Atombehörden bekannt sind (siehe u.a. Photovoltaik-guide.de vom 16.03.2012 „Pannen im Kraftwerk Philippsburg werden erst zwei Jahre später bekannt gegeben“). Kommt das nicht irgendwie bekannt vor? War da nicht was mit einem Riss im Rohr?
-die aktuellen Vorgänge um die verantwortungslose Lagerung von Atommüllfässern in Kavernen in AKWs sind ein weiterer Beweis für den verantwortungslosen Umgang mit den gefährlichen Stoffen. Im AKW Krümmel wurden, nach vorher bekannt gewordenen vergleichbaren Funden im AKW Brunsbüttel und in Neckarwestheim verrottete Fässer mit strahlendem Müll gefunden (siehe Bergedorfer Zeitung vom 15.03.2012 „1100 Fässer mit gefährlicher Strahlung unter Krümmel“.
Gibt es solche „Lager“ nicht auch in Grafenrheinfeld, nur wir wissen es noch nicht?
Möglich ist Alles!"